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SEC-Jahrestreffen

2014 Braunschweig

2014 Braunschweig

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5. SEC Jahrestreffen, Braunschweig, 6 - 8 Mai 2014
Gelehrsamkeit und Geselligkeit (Bericht)

Zu „Hightech und Spitzenforschung mitten in Deutschland“, dem Motto des 5. Jahrestreffens der Seniorexperten Chemie in Braunschweig trafen sich Seniorchemiker und Jungchemiker vom 6. bis 8. Mai 2014.

Motiviert durch das vielseitige fachliche und kulturelle Programm und die Möglichkeit zur Diskussion mit Kollegen fanden sich mehr als 200 Teilnehmer und Gäste in Braunschweigs Stadthalle ein. Eine nun schon zur Tradition gewordene Zusammenkunft konnte damit um eine neue hochkarätige Veranstaltung erweitert werden. Schwerpunkt dieses Treffens war die Lebensmittelchemie, zu der die Braunschweiger Region in Forschung, Kontrolle und Industrie einen großen Beitrag liefert.

Horst Altenburg, der SEC Vorsitzende, eröffnete das Jahrestreffen. Grußworte sprachen Barbara Albert, Vizepräsidentin der GDCh, Johannes Wefer, Regionalsprecher des JCF und Heidemarie Helmsmüller, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ein Grußbrief von Ministerin Manuela Schwesig wurde verlesen; das von ihr geleitete Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat unsere Tagung wieder großzügig unterstützt.

Entsprechend der besonderen Stellung der Lebensmittelchemie auf dieser Tagung begann Thomas Henle die erste Vortragsreihe mit der Maillard-Reaktion, einer Reaktion, die die Welt verändert hat. Es ist die Umsetzung von reduzierenden Kohlenhydraten mit Aminokomponenten; sie bestimmt Geruch und Geschmack thermisch zubereiteter Lebensmittel, findet aber z.B. bei Diabetes und Alterungsprozessen auch im Organismus statt. Ein Überblick zu Forschung und Erkenntnissen zeigte die weitreichende Bedeutung dieser komplexen Reaktion. In einem sehr aktuellen und alle Lebensmittelkonsumenten ansprechenden Vortrag zeigte Axel Preuß anschließend auf, wie wichtig die wissenschaftlich begründete Bewertung von Lebensmittelkrisen und -skandalen ist, um übertriebene Panikmache der Medien zu entkräften und auf zu wenig beachtete mikrobiologische Gefahren hinzuweisen. An typischen Beispielen demonstrierte er, wie Risikowahrnehmung und tatsächliche Gefährdung oft stark voneinander abweichen.

In der folgenden Kaffeepause kam es an den 18 Postern zu regen Diskussionen zwischen Jung und Alt. Die Themen spannten einen weiten Bogen von Chemie in der Schule, chemiehistorischen Betrachtungen bis zu aktuellen Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Biochemie. Zurück im Vortragsraum lauschte das Auditorium dem spannenden Vortrag von Thomas Carell. Massenspektrometrische Analyse und Synthese isotopenmarkierter seltener DNA-Basen, jenseits von Watson und Crick, sowie ihre mögliche Bedeutung in der Epigenetik und Entwicklung von Stammzellen wurden vorgestellt und in einer regen Diskussion erörtert. „Biomineralisierung“ war das Thema im Vortrag von Rüdiger Kniep. Die faszinierende Beobachtung, dass aus einfachen „Zutaten“ wie Gelatine und wässrigen Ionenlösungen selbstorganisiert Biominerale gebildet werden, zeigte er z.B. am Aufbau Calcit-basierter Otoconien des Innenohrs.

Vor der Abendveranstaltung begrüßte Braunschweigs Bürgermeisterin Rohse-Paul die Tagungsteilnehmer. Anschließend nahm der renommierte Historiker Gerd Biegel das Auditorium mit auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte in deren Mittelpunkt Braunschweig, die Stadt Heinrichs des Löwen stand und berühmte Bürger wie Gauß, Spohr und Lessing.

Der Mittwochmorgen begann mit einem Vortrag von Ralf Thomas (VW-AG) in dem gezeigt wurde, welche Bedeutung ein Weltkonzern dem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitarbeiter beimisst – ein Ansporn auch für die SEC, auf ihrem Weg weiterzumachen.

Die sexuelle Fortpflanzung hat gegenüber dem Klonen von Organismen den Vorteil, dass die Nachkommen flexibler auf Bedrohungen von außen, wie Infektionen, reagieren können. Wie Manfred Milinski zeigte, spielt bei der Partnerwahl der Geruchssinn eine wesentliche Rolle. Joachim Ullrich berichtete über das ganze Spektrum der Arbeit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Dass eine Sekunde mit einer Genauigkeit von 10-18 gemessen werden kann, hätten die Zuhörer fast unter "nett zu wissen" abgehakt. Bedenkt man aber die Konsequenzen einer falschen Zeitmessung, z.B. im Straßenverkehr, erhält die Metrologie eine ganz praktische Rolle. Vom weltweiten Börsenhandel über Computernetzwerke ganz zu schweigen.

Ihre Aufgeschlossenheit für die Geisteswissenschaften zeigten die Teilnehmer der Exkursion zur Herzog August Bibliothek und zum Lessing Haus. Unter kompetenter Führung wurden die Schätze der Bibliothek vorgestellt sowie Entstehung und heutige Bedeutung der Sammlung vom Leiter des Hauses, Helwig Schmidt-Glintzer, vorgetragen. Mehr an Technik interessierte Teilnehmer unternahmen eine Exkursion nach Wolfsburg um das Phaeno oder die Autostadt zu erkunden.

Ein festliches Abendessen danach wurde begleitet von weiteren Grußworten (Jasmin Bauerfeind, Junge Lebensmittelchemiker) und einem eloquenten Vortrag von Ulrich Nöhle über die doppelte Moral in der Werbung und Berichterstattung, vor allem für Lebensmittel.

Am nächsten Morgen zeigte Franz Effenberger, dass eine technische Variante der Photosynthese durchaus wirtschaftlich möglich sein könnte – nämlich die Hydrierung von CO2 mit Überschuss-Wasserstoff (durch Wasserelektrolyse mit Strom aus Wind- und Solar-Anlagen) zu Methan oder Methanol. Passend dazu berichtete Christan Deusner über große Vorkommen von Methan im Eis (Gashydrate). Mit zahlreichen Zitaten von berühmten Chemikern würzte Hennig Hopf seinen Vortrag über Kreativität in der Grundlagenforschung. Den Abschluss bildete ein sehr amüsanter Vortrag von Klaus Roth über Süßstoffe. So gab es kurz vor 1914 eine Saccharin-Prohibition in ganz Europa; sie hat – wie bei solchen Verboten üblich – die Kreativität der abenteuerlichsten Schmuggler freigesetzt.

Die hohe Qualität der Vorträge und Poster, die anregenden Diskussionen und nicht zuletzt die gute Organisation, vor allem durch Hans-Uwe von Grabowski und die GDCh: all das führte bei den Tagungsteilnehmer zur Vorfreude auf das nächste SEC Jahrestreffen in Münster (7-9 Juni 2016).

Ursula Kraska, Weiterstadt
Wolfgang Gerhartz, Zwingenberg

Vorträge

Viele, aber nicht alle Vorträge sind als PDF verfügbar. Bei Interesse schicken Sie eine eMail an Wolfgang Gerhartz

Dienstag, 6 Mai 2014

  • Das menschliche Alter - ein Backprozess?
Thomas Henle
  • Gefühlte und tatsächliche Risiken bei heutigen Lebensmitteln
Axel Preuss
  • DNA Basen jenseits von Watson und Crick
Thomas Carell
  • Biomineralisation
Rüdiger Kniep
  • Braunschweig - eine Metropole im Wandel der Jahrhunderte
Gerd Biegel

Mittwoch, 7 Mai 2012

  • Ehrenamtliches Engagement und Senior Experten Einsätze am Beispiel der Volkswagen AG
Ralf Thomas
  • Der Duft der Gene
Manfred Milinski
  • PTB: Kernkompetenz Metrologie - Gestern, heute und in der Zukunft
Joachim Ullrich
  • Alle wollen zurück zur Natur - nur nicht zu Fuß
Ulrich Nöhle

Donnerstag, 8 Mai 2012

  • Die technische Photosynthese
Franz Effenberger
  • Gashydrate am Meeresboden - Von kalten Methanquellen zum Energierohstoff
Christian Deusner
  • Wie entsteht Neues?
Henning Hopf
  • Chemie von ihrer allersüßesten Seite: Von Saccharin bis Stevia
Klaus Roth
Poster von Jung und Alt
Auch zum 5. SEC Jahrestreffen haben wir wieder Jungchemiker aus dem weiteren Raum Braunschweig dazu eingeladen, ihre Forschungsarbeiten in Form von Postern zu präsentieren und mit interessierten Senioren zu diskutieren. Auch die Junglebensmittelchemiker waren mit einem Infostand und Postern auf unserer Tagung präsent. Erstmalig luden wir auch Mitglieder der Seniorexperten Chemie, dazu ein, Ihre Forschungsarbeiten oder auch Ihre Hobbies in Form von Postern auszustellen.
Fotogalerie Braunschweig