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2009 BRAIN

2009 BRAIN

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Terroir, Türme und Termiten

Zweite SEC-Technology-Tour nach Zwingenberg

Terroir und Türme

Die Seniorexperten Chemie (SEC) trafen sich gemeinsam mit den Pensionären der VAA-Werksgruppe Industriepark Wolfgang (Hanau) am 16 Juni 2009 zur zweiten SEC-Technology-Tour in Zwingenberg an der Bergstrasse. Nach einem Rundgang durch Zwingenberg begann der Aufstieg zum Auerbacher Schloss durch die Weinberge, wo der Riesling auf granithaltigem Boden gedeiht. Gerade dieses Terroir verleiht dem Bergsträßer Wein die mineralische Frische, für die er so beliebt ist.

Ein sachkundiger Führer vermittelte auf dem Auerbacher Schloss Fakten zur Burg und zur Geschichte des Mittelalters. Die Grafen von Katzenelnbogen hatten die mächtige Burg 1222 erbaut, um ihre Pfründe an der Bergstraße gegen das mächtige Kurmainz zu sichern. Als das Geschlecht 1479 ausstarb, ging ihr bedeutendes Vermögen an die Landgrafschaft Hessen. Bei mittlerweile strahlendem Wetter erfrischten sich die Pensionäre mit einem Picknick im Burghof, bevor sie den Rückweg nach Zwingenberg antraten.

Termiten

In Zwingenberg erwarteten sie Holger Zinke und Martin Langer von BRAIN (Biotechnology Research and Information Network). Das Unternehmen ist ein Pionier und führend in der weißen Biotechnik. Dieses Fachgebiet bedient sich des ganzen Werkzeugkastens der Natur, um herkömmliche Prozesse der chemischen Industrie durch umweltfreundlichere biologische Verfahren zu ersetzen. Der promovierte Molekulargenetiker Zinke ist Vorstandsvorsitzender von Brain und im Jahr 2008 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden [Nachr. Chem. 2008,56,1157].

Auf eindrucksvollste Weise erfuhren die Besucher von der ungeheuren Vielfalt der chemischen Prozesse, die in der Natur ablaufen. Zum Beispiel in einem Mikroorganismus namens Acidanus ambivalens, der sich bei 80° C und einem pH-Wert von 2,5 zu Hause fühlt. Er hat eine, wenn auch etwas ungewöhnliche, Zellmembran und produziert in seinem Inneren zum Beispiel die gleichen Aminosäuren wie die höheren Lebewesen. Nicht genug damit: Er braucht zum Leben nichts anderes als Schwefel, Kohlendioxid und Ammoniak. Da recken gestandene Industriechemiker schon mal die Hälse: eine ganze Palette von chemischen Prozessen auf Basis CO2 und nur Schwefel als Energiequelle!

Oder die Termiten, die bekanntlich ausschließlich von Holz leben, obwohl sie eigentlich - wie wir Menschen auch - nicht in der Lage sind, die Bestandteile des Holzes zu verdauen. Dazu kultivieren sie in ihrem Verdauungstrakt Mikroorganismen, die Cellulasen und Hemicellulasen für den Abbau des Holzes produzieren. Natürlich werden diese Mikroorganismen von Generation zu Generation weitergegeben!

Das besondere Know-how der Mitarbeiter von BRAIN besteht darin, dass sie die DNA zahlreicher Organismen einer beliebigen Probe extrem schonend extrahieren und deren Sequenz analysieren. Auch wenn die Organismen selber zum größten Teil nicht kultivierbar sind, können ihre DNA-Fragmente geklont und in einem Format gelagert werden, das jederzeit ein Screening zulässt. Ein Kernstück von Brain ist daher eine sehr schnell wachsende Metagenom-Bibliothek von derzeit 200 Millionen Klonen. Sie codieren eine Fülle von neuen Enzymen oder ganzen Stoffwechsel-Prozessen - eben jenen Werkzeugkasten der Natur.

Die Liste der Kooperationspartner von BRAIN liest sich wie ein Who is Who der chemischen und biochemischen Industrie. Mit Ihnen arbeitet BRAIN an Projekten wie zum Beispiel Waschmittel-Enzymen, die Schmutzpartikel bei 40°C statt bei 60 °C abbauen. Allein in Deutschland würde das einen um 1.3-106 t geringeren Ausstoß an CO2 bedeuten!

Ein besonderer Dank der Besucher geht auch auf diesem Weg an Holger Zinke und Martin Langer. Haben sie doch wesentlich dazu beigetragen, dass der Ausflug an die frühsommerliche Bergstraße einen wissenschaftlichen Höhepunkt hatte. Das zeigt auch die Diskutierfreudigkeit der Senioren bei BRAIN, auch wenn sie eine immerhin fast vierstündige Wanderung hinter sich hatten. Biochemie zum Anfassen und Schmecken gab es zum Ausklang im „Goldenen Löwen" dem Stammhaus des Weinguts Simon-Bürkle in Zwingenberg.

Wolfgang Gerhartz

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