GDCh-Sonderpreis "Jugend forscht"
Die GDCh vergibt seit mehreren Jahren den "Themenpreis für die Verknüpfung von Theorie mit chemischer Praxis" im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht".
Damit prämiert die GDCh hervorragende experimentelle Arbeiten aus der Chemie mit fundierter theoretischer Begründung oder Herleitung. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert und wird, wie alle Sonderpreise, traditionell am Vorabend der Siegerehrung zum Bundeswettbewerb überreicht.
Der Preis unterstreicht, wie auch der GDCh-Abiturpreis, das Anliegen der GDCh junge Menschen zu bestärken, unsere Welt naturwissenschaftlich zu ergründen und zu verstehen.

Anne Marie Bobes (18), Technische Universität Dresden, Alina Bachmann (21), Goethe-Universität Frankfurt, und Alois Bachmann (18), Humboldt-Gymnasium Berlin-Tegel
Atome einfach berechnen: SpectralAI – Bestimmung atomarer Spektrallinien mit KI
Die Eigenschaften eines Atoms werden von den Energieniveaus seiner Elektronen bestimmt. Sichtbar machen lassen sich diese Niveaus durch aufwendige Messung von Spektrallinien.
Anne Marie Bobes, Alina Bachmann und Alois Bachmann umgingen das schwierige Messverfahren und ließen die Spektrallinien von künstlicher Intelligenz (KI) berechnen. Sie trainierten ihr KI-Modell mit Atomeigenschaften und einigen bekannten Spektrallinien aus Datenbanken. Damit prognostizierte die KI die Spektrallinien aller chemischen Elemente.
Zum Vergleich bestimmten die Jungforschenden die Energieniveaus einiger Atome im Labor und verglichen sie mit den Rechenergebnissen. Die Treffergenauigkeit der KI war mit mehr als 90 Prozent hoch. Darüber hinaus sagte das Modell auch neue, bislang unbekannte Spektrallinien chemischer Elemente voraus.
Das Preisträgerteam kann sich über ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro sowie für jedes Teammitglied eine einjährige kostenfreie Mitgliedschaft in der GDCh freuen.

Nicholas Dahlke (17) und Anna Perkovic (17), Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach, und phænovum Schülerforschungszentrum Lörrach-Dreiländereck
Ungelöstes Chemierätsel: Mpæmba – Unterkühlung mit Gedächtnis?
Der sogenannte Mpemba-Effekt besagt, dass heißes Wasser schneller gefriert als kaltes. Um diesem Rätsel auf den Grund zu gehen, untersuchten Nicholas Dahlke und Anna Perkovic die Kristallisation von heißem und von kaltem Wasser mithilfe einer selbst konstruierten Apparatur. Herzstück ist ein sehr dünner Schlauch, durch den synthetisches Öl und hochreines Wasser gepumpt wurden. Im Öl entstanden winzige Wassertröpfchen, die schlagartig auf minus 33 Grad Celsius abgekühlt wurden. Die Jungforschenden beobachteten, dass die unterschiedlichen Wassertemperaturen zu unterschiedlichen Nukleationsraten führen, also der Menge an Kristallisationskeimen, die gebildet werden. Mit ihren Versuchen konnten sie den Mpemba-Effekt nachvollziehen und präzise messen, das Rätsel des Effekts bleibt aber offen.
Das Preisträgerteam kann sich über ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro sowie für jedes Teammitglied eine einjährige kostenfreie Mitgliedschaft in der GDCh freuen.

Julia Trapp (15), Grafrath, Ernst-Reisinger-Gymnasium, Schondorf am Ammersee, und Alexander Christian Trapp (18), Grafrath, Julius-Lohmann-Gymnasium, Schondorf am Ammersee
Bio-Power: Entwicklung einer biochemischen Redox-Flow-Batterie
Redox-Flow-Batterien sind leistungsfähige Stromspeicher und eignen sich in Zeiten des Klimawandels gut als Reservoir für Strom aus Windrädern und Solaranlagen. Um eine möglichst hohe Energiedichte zu erreichen, werden jedoch zumeist giftige anorganische Vanadiumsalze genutzt. Julia Trapp und Alexander Christian Trapp setzten sich das Ziel, eine umweltfreundliche Redox-Flow-Batterie zu bauen. Dafür entwickelten sie eine Batteriezelle vergleichbarer Bauart, in der Hefe und Methylenblau eingesetzt werden. Deren Zellspannung erreichte gut 0,6 Volt, die Ladekapazität lag bei rund 2,6 Amperestunden pro Liter Methylenblau-Lösung. Aber das ist nur ein Anfang: Die Jungforschenden denken darüber nach, künftig Abfallstoffe aus der Lebensmittelindustrie in einem ähnlich aufgebauten Stromspeicher einzusetzen.
Das Preisträgerteam kann sich über ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro sowie für jedes Teammitglied eine einjährige kostenfreie Mitgliedschaft in der GDCh freuen. Das Team erreichte außerdem den 2. Platz im Bundeswettbewerb in der Kategorie Chemie.


Anna-Yaroslava Bodnar (17), Alexander Csaba Baumgarten (18), Heinrich-Hertz-Gymnasium, Berlin
Dem Alu auf der Spur – Entwicklung von semiquantitativen Metallionen-Indikatoren
Bestimmte organische Moleküle bilden mit Metallionen farbige Komplexe und eignen sich daher gut für den Nachweis von Metallbelastungen in der Umwelt. Anna-Yaroslava Bodnar und Alexander Csaba Baumgarten entwickelten eine Testlösung für die Analyse von Aluminium. Sie mischten dafür drei chemisch ähnliche Komplexbildner, um hohe und niedrige Aluminiumkonzentrationen zu erfassen. Mit einem Computerprogramm simulierten die beiden das Mischungsverhältnis mit der besten farblichen Trennung und die dabei entstehenden Farben. Ihre fotometrischen Messungen im Labor bestätigten die berechnete Rezeptur und das Gleichgewichtsmodell, das die Anziehungskräfte der Farbstoffmoleküle zu den Aluminiumionen beschreibt. Ändert man die Auswahl der Moleküle, könnten auch Tests für andere Metalle simuliert werden.
Das Preisträgerteam erhielt bereits 2021 die Auszeichnung der GDCh. In diesem Jahr erreichten sie darüber hinaus den 3. Preis in der Kategorie Chemie.

Anna-Yaroslava Bodnar (16), Alexander Csaba Baumgarten (17), Heinrich-Hertz-Gymnasium, Berlin
Alu im Abendessen? – Indikator für die quantitative Analyse von Aluminium-Ionen
Aluminium steht im Verdacht, für Menschen gesundheitsschädlich zu sein. Anna-Yaroslava Bodnar und Alexander Csaba Baumgarten beschäftigten sich bereits länger mit der Frage, wie sich schnell und einfach der Aluminiumgehalt in Nahrungsmitteln bestimmen lässt. Sie nutzten dafür Farbstoffe, die mit Aluminium-Ionen Molekülkomplexe bilden. Als knifflig erwies sich das Mischen und Testen der Farbstoffe in einem optimalen Verhältnis, da wegen der Coronapandemie keine Laborversuche möglich waren. Die Jungforscherin und der Jungforscher verlegten das Labor daher ins Homeoffice: Mit dem Computer errechneten sie die Spektren der verschiedenen Molekülkomplexe und Farbstoffmischungen. Auf Basis dieser Formeln, so glauben die beiden, können einfach anwendbare Teststäbchen für zu Hause entwickelt werden.

Milena Wiegand (18), Erfurt, Max Asenow (18), Bad Berka, und Tina Munkewitz (18), Eisenach
Albert-Schweitzer-Gymnasium Erfurt, Institut für Organische Chemie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Textmarker für Proteine – Synthese neuer Thiazolderivate für die Fluoreszenzmikroskopie
Mithilfe fluoreszierender Farbstoffe können lebenswichtige Proteine in Zellen markiert und deren Stoffwechsel so sichtbar gemacht werden. Die Preisträger synthetisierten zwei neue Fluoreszenzfarbstoffe – Mataoblau I und Mataoblau II. Mit diesen färbten sie Bakterien, Krebszellen und pflanzliche Proben. Unter dem Fluoreszenzmikroskop konnten sie sehen, dass in den verschiedenen Zelltypen unterschiedliche Eiweißstoffe blau markiert wurden: In den Bakterien sammelten sich die Farbstoffe an den Zellpolen, bei den Krebszellen im Bereich um den Kern. Für die komplexe Auswertung der Analysedaten entwickelten die Jungforscher eine Software, mit der sich die Daten schneller und einfacher verarbeiten lassen.
Die Jury beeindruckte besonders, dass Milena Wiegand, Max Asenow und Tina Munkewitz nicht nur eine interessante eigene Problemstellung entwickelten, sondern im Verlauf ihrer Forschungsarbeit das Potenzial der neuen Farbstoffe erkannten. Im Team brachte jeder seine Stärken ein, sodass die Jungforscher in einer besonders interdisziplinären Weise ein exzellentes Gesamtergebnis erzielten.
Für ihre Arbeit wurde sie nicht nur mit dem GDCh-Sonderpreis sondern auch mit dem Preis für die beste interdisziplinäre Arbeit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, MdB, ausgezeichnet.


Malek Sbeih (19), Weimar
Carl-Zeiss-Gymnasium Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fettlöser mit Lichtschalter: Synthese und Untersuchung fotochemisch schaltbarer Tenside
Tenside reinigen so wirkungsvoll, weil sie dank ihrer bipolaren Struktur Fett- und Ölpartikel fest einschließen und vom Wasser trennen. Malek Sbeih ging auf die Suche nach Tensiden, deren Funktion steuerbar ist und die recycelt werden können. Er stieß auf Spiropyrane – Moleküle, die sich bei Bestrahlung mit Licht verändern. Der Jungforscher koppelte Spiropyrane mit organischen Säuren und erhielt so durch Licht schaltbare Tenside: Unter UV-Licht bilden die Fettlöser kugelförmige Mizellen um Öl und Fett, die sich abfiltrieren lassen. Bei Bestrahlung mit grünem Licht dagegen zerfallen die Mizellen und die Tenside werden wieder frei. Nach Ansicht des Jungforschers ließe sich auf dieser Basis eine neue Methode entwickeln, mit der man vor allem bei Ölunfällen Meer- und Flusswasser reinigen könnte.
Die Jury überzeugte der Jungforscher mit seiner Kreativität und seinem fundierten Fachwissen. Mit seinem Projekt bewies er ein großes Maß der Eigenständigkeit und Zielstrebigkeit. Seine schriftliche Arbeit und auch seine Präsentation zeigten ein hohes wissenschaftliches Niveau.
Für seine Arbeiten wurde er nicht nur mit dem GDCh-Sonderpreis sondern auch mit dem ersten Preis in der Kategorie Chemie und dem Preis des Bundespatenunternehmens (Merck), einem Forschungsaufenthalt in Großbritannien ausgezeichnet.





„Supramolekulare Wirt-Gast-Komplexe als Fluoreszenzmarker in der Tumordiagnostik und –therapie“
Im Rahmen seines Projektes gelang es dem achtzehnjährigen Salg in herausragender Weise die Verknüpfung von Theorie und chemischer Praxis darzustellen.
Salg hat einen Weg gefunden wie die Leuchtkraft von Fluoreszenzfarbstoffen verstärkt werden kann. Hierzu nutzte er Wirt-Gast-Komplexe, die für diese Anwendung bislang nicht erforscht wurden. Eine Erklärung, wie das funktioniert liefert der Preisträger hier.
Die Arbeit wurde von Dr. Roland Full, Lehrer am Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach, betreut. Das langjährige GDCh-Mitglied Full hat in den vergangenen Runden bereits mehrere Teilnehmer im Wettbewerb unterstützt und dabei Bundessieger und Gewinner verschiedener Sonderpreise begleitet. Fulls vorbildliches Engagement zeichnete die GDCh 1996 mit dem Heinrich Roessler-Preis der Fachgruppe Chemieunterricht aus.





